Enthüllung des Józef-Poniatowski-Denkmals in Leipzig am 14.09.2026
14.09.2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir stehen heute an einem Ort, der zu den unzähligen Orten auf der Landkarte Europas gehört, welche uns über die tragische polnische Geschichte nachdenken lassen. Obwohl Leipzig im Herzen Sachsens liegt, weit entfernt sowohl von den historischen als auch von den heutigen polnischen Grenzen.
Und doch versammeln wir uns hier um ein Denkmal, das an den Tod eines der herausragenden Söhne der polnischen Nation erinnert. Fürst Józef Poniatowski, genannt Prinz Pepi und von seinen Zeitgenossen als „Offizier der größten Hoffnung“ bezeichnet, fand bei der Deckung des Rückzuges der napoleonischen Truppen nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 in ebendieser Gegend den Tod.
Das Leben und die Karriere des jungen Adeligen waren seit den jüngsten Jahren mit dem Militär verbunden, wobei er sich sowohl in den deutschsprachigen als auch in den französischen Kreisen gut zurechtfand. Geboren 1763 in Wien, begann er seine Militärkarriere in der Armee des österreichischen Monarchen, bezeichnete sich allerdings stets als „Wahlpole“ – dies verdankte er vor allem seinem Onkel, König Stanislaus II. August Poniatowski. Im Dienst des österreichischen Kaisers zeichnete er sich unter anderem im Krieg gegen die Türken in Serbien aus, wo er bei Sabac dem Fürsten Karl Philipp zu Schwarzenberg das Leben rettete – Jahre später sollte der Letztere die napoleonischen Truppen bei Leipzig besiegen.
Józef Poniatowski kämpfte für Polen in den Kriegen gegen Russland, wurde dabei zum Oberbefehlshaber der polnischen Armee ernannt und leistete einen entscheidenden Beitrag zu der siegreichen Schlacht bei Zielence, die als erste seit hundert Jahren von Polen gewonnen wurde. Die Teilungen Polens hatte er nie akzeptiert und seinen früher so geliebten Onkel, König Stanislaus II. August Poniatowski, für die Kapitulation kritisiert. Als das Land unter fremde Herrschaft geraten war, nahm Poniatowski das Angebot, den Teilungsmächten zu dienen, an und begnügte sich mit einem Leben als Zivilist und mit der Verwaltung der Familiengüter. Auch sollte nicht verschwiegen werden, dass er sich, obwohl sein Leben lang nicht verheiratet, eines großen Erfolges bei Frauen erfreute.
Warschau, wo Poniatowski lebte, stand seit 1795 unter preußischer Verwaltung; als im Herbst 1806, unter dem Druck Napoleons, die preußischen Behörden Warschau evakuierten, legten sie die Verantwortung für die polnische Hauptstadt in die Hände von Józef Poniatowski. Nach dem Einmarsch der Franzosen zögerte Poniatowski lange, übernahm aber dann doch die Führung der polnischen Streitkräfte. In dem von Napoleon gegründeten Großfürstentum Warschau (Wielkie Księstwo Warszawskie) wurde er später Kriegsminister sowie Oberbefehlshaber der neu formierten polnischen Streitkräfte.
Mit seinen Truppen verteidigte er das Großfürstentum erfolgreich gegen die Österreicher und gegen die Russen, was seine Autorität in Polen und in ganz Europa festigte. An verschiedenen europäischen Höfen hieß man ihn willkommen und schätzte ihn so sehr, dass sich der sächsische König Friedrich August I. bei der feierlichen Taufe von Napoleons Sohn 1811 in Paris von ihm vertreten ließ.
Poniatowski befehligte die polnischen Truppen, als sie 1812 mit Napoleon in Richtung Moskau zogen. Mehrmals verwundet, kämpfte er dort heldenhaft in vielen Schlachten. Bald begriff er, dass der Feldzug zum Scheitern verurteilt war, hielt jedoch Napoleon die Treue auch noch während des Rückzugs durch die deutschen Länder.
Der tödliche Schuss erreichte ihn hier an der Weißen Elster, bei der Deckung der letzten französischen Einheiten, die man in der berühmt gewordenen Völkerschlacht besiegt hatte. Da er auf zahlreichen Höfen des damaligen Europas beliebt und zu Hause war, wurde seine Leiche auf Befehl des russischen Zaren in der Königskrypta der Krakauer Wawel-Burg feierlich beigesetzt. Damit begann der Brauch, wonach man herausragende Polen, obwohl sie keine Könige waren, in der dortigen Königskrypta bestattete.
In der Nähe der Todesstelle Poniatowskis wurde bereits 1813 ein erster Erinnerungsstein errichtet; 1834 ersetzte man diesen durch einen repräsentativen Sarkophag. Mehrmals versetzt, wurde er 1938 auf Initiative und auf Kosten polnischer Offiziere restauriert, nur ein Jahr später aber (vermutlich von Nationalsozialisten) mit Teer beschmiert, danach zum Schutz mit Brettern eingehaust, schließlich jedoch abgerissen. Keine Überreste blieben erhalten.
Doch der erste Erinnerungsstein hatte die Wirren der Zeit überdauert: Er wurde 1970 von polnischen Steinmetzen restauriert, auf einen Sockel gehoben, mit einem Porträt Poniatowskis versehen, um eine Einfriedung ergänzt und in der angrenzenden Grünanlage aufgestellt.
Heute stehen wir bei diesem nun erneut renovierten Denkmal aus dem Jahre 1813, der an die dramatischen Schicksale Europas und Polens erinnert. Józef Poniatowski, ein Held der polnischen Nation, ein Freund und Verwandter vieler herrschender und zahlreicher adeliger Familien, ein herausragender Offizier und Soldat, der unter verschiedenen nationalen Fahnen kämpfte und stets um Polen besorgt war, verlor sein Leben auf fremdem Boden – wie so viele Polen.
Als Vertreter Polens in Deutschland richte ich meinen herzlichen Dank an all diejenigen, die sich um dieses polnische Erbe auf deutschem Staatsgebiet kümmern. Es ist ein Zeichen der gemeinsamen Aufarbeitung der europäischen Verflechtungen, dank der wir mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.