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Gedenken an den Kriegsbeginn 1939 Britischer Soldatenfriedhof, 1. September 2026

01.09.2026

Feierlichkeiten zum 87. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Berlin

Sehr geehrter Herr Koordinator Knut Abraham,

sehr geehrte Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des militärischen und des diplomatischen Corps,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Außenministeriums, des Bundesministeriums der Verteidigung und des Landeskommandos Berlin,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der auslandspolnischen Verbände und Organisationen,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ich heiße besonders herzlich die Lehrer und die Schüler der Katharina Heinroth Schule,

jedes Jahr am 1. September gedenken wir auf diesem Friedhof all jener, die im Zweiten Weltkrieg gegen das totalitäre Naziregime gekämpft haben. Soldaten verschiedener Nationen, die vor mehr als 80 Jahren ihr Leben für eine freie Welt und ein demokratisches Europa opferten, haben hier ihre letzte Ruhe gefunden.

Unter den vielen anderen befinden sich auf diesem Friedhof auch Gräber polnischer Flieger. Wie in den Jahren zuvor kommen wir heute hierher, um den für unsere Freiheit Gefallenen Ehre und Anerkennung zu erweisen.

Am 1. September 1939 wurde Polen von Deutschland überfallen. Am 17. September folgte der heimtückische Schlag aus dem Osten seitens der Roten Armee. Beide Angriffe waren Folgen des am 23. August 1939 unterzeichneten Hitler-Stalin-Pakts. Für Polen bedeutete er ein Todesurteil.

„Besiegt zu werden, aber nicht aufzugeben, gleicht einem Sieg“ sagte Marschall Józef Pilsudski und seine Worte prägten die Haltung der Polinnen und Polen, die auf allen Fronten – zu Lande, in der Luft und auf der See – zusammen mit den Alliierten zum Sieg über dem Dritten Reich beigetragen haben, nicht zuletzt durch das Wirken der Heimatarmee im besetzten Polen. Obwohl die polnischen Streitkräfte zahlenmäßig die viertgrößte alliierte Armee darstellten, durften sie nicht an der Siegerparade teilnehmen. Als Opfer der Aggression seiner beiden Nachbarn von 1939, wurde Polen den politischen Erwägungen der Großmächte der Nachkriegszeit geopfert und geriet für mehrere Jahrzehnte in die Einflusszone der Sowjetunion.

Erst die Revolution der Solidarność und die Abwahl der Kommunisten bei den Parlamentswahlen von 1989 brachten uns die Selbstbestimmung zurück. Die wiedererlangte Freiheit ermöglicht es nicht nur, der Opfer zu gedenken, sondern auch, die eigentlichen Ursachen der Konflikte zu erforschen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

seit über vier Jahren blicken wir am 1. September nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf das Drama der Ukraine. Täglich erreichen uns Nachrichten über tödliche russische Angriffe auf die ukrainischen Städte, auf die zivile und die industrielle Infrastruktur unseres Nachbarlandes.

Die Zahl der Toten und Verwundeten liegt bereits bei mehr als einer halben Million. Eine halbe Million Tote und Verletzte – lassen Sie uns für einen Moment innehalten und bedenken, was eine solche schreckliche Zahl für die Zukunft der Nation bedeutet.

1939 wurde Polen von den Alliierten im Stich gelassen und zwei miteinander verbündeten verbrecherischen Angreifern ausgeliefert. Die Lehre, die wir daraus ziehen müssen, verpflichtet uns zur Solidarität mit der Ukraine. Zu einer Solidarität, die uns materiell viel kosten mag, dennoch unserer eigenen Sicherheit und Interessen dient. Der russische Angriff richtet sich direkt gegen unsere Freiheit und Demokratie, gegen unseren Wohlstand und unser Wertesystem. 

Nach dem Motto der polnischen Aufständischen des 19. Jahrhunderts kämpfen die Ukrainerinnen und Ukrainer heute „für ihre und für unsere Freiheit“. Dafür verdienen sie nicht nur Unterstützung, sondern unseren tiefen Respekt und Dankbarkeit. Mit einer freien und souveränen Ukraine als Teil der institutionellen europäischen Gemeinschaft wird Europa sicherer und stärker sein.

Der Friedhof, den wir heute besuchen, wurde für heldenhafte Menschen zur letzten Ruhestätte. Zugleich ist er aber eine Mahnung – und ein Aufruf zum Handeln.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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