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Vortrag des Geschäftsträgers ad interim Jan Tombiński am 23. August in Potsdam.

23.08.2026

Die Lüge als Instrument der Machtpolitik

Potsdam 23.08.2026

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass ich zum Auftakt des heutigen Gedenkens an die Opfer totalitärer und autoritärer Regime hier in Potsdam das Wort ergreifen darf.

Vor einem Jahr hörte ich zusammen mit Ihnen dem überaus interessanten Vortrag von
Prof. Claudia Weber über ihr Buch Der Pakt zu. Als Historiker erfuhr ich sowohl aus dem Vortrag als auch aus dem Buch Informationen, die in der polnischen Geschichtsforschung nicht immer zum Ausdruck kommen. Besonders wichtig waren für mich die durch die Archivdokumente begründeten Angaben zur Zusammenarbeit der Gestapo und des NKWD bei der Bekämpfung der polnischen Eliten. Anhand der in der polnischen Fachliteratur enthaltenen Beweise, sollte eine der erwähnten Gesprächsrunden in der vor dem Kriegsausbruch meinen Großeltern gehörenden und danach von Gestapo beschlagnahmten Villa „Pan Tadeusz“ in Zakopane stattgefunden haben.

Auskünfte über Gespräche zur Ausrottung polnischer Eliten geben uns bislang nur die deutschen Archive, weil die russischen für die Forschung unzugänglich bleiben. Die sowjetischen Offiziere spielten dabei allerdings eher eine federführende Rolle, denn sie waren es, die über einschlägiges Wissen und nützliche Erfahrungen aus der Bekämpfung der Polen in der Sowjetunion der Vorkriegszeit verfügten.

Denn eine Tatsache ist in Deutschland wohl kaum bekannt: In der Sowjetunion der Jahre
1937-38 lag die Wahrscheinlichkeit, als Pole oder Polin das Leben zu verlieren, dreißig- bis vierzigmal höher als im Falle anderer ethnischer Gruppen, wie die amerikanischen Historiker Terry Martin und Timothy Snyder festgestellt haben. Mit ungefähr 681.000 machten Menschen polnischer Nationalität ca. 0,4 Prozent der gesamten Bevölkerung der Sowjetunion aus. Infolge des Befehls 00485 des NKWD vom August 1937 wurden mehr als einhundertzehntausend, also 13 bis 14 Prozent von ihnen getötet. Die „polnische Operation“ sollte ein Teil der „deutschen Operation“ sein, die darauf abzielte die „deutschen Spione“ zu bekämpfen.

Diese einführenden Worte sollen die polnische Empfindlichkeit gegenüber den russischen Geschichtsfälschungen und ihren hinterlistigen, zynischen Maßnahmen erklären, denen viele Polen zu Opfer fielen. Da in Russland eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte eine Seltenheit ist, wird dort die öffentliche Meinung in stärkerem Maße durch historisch Falsches geprägt als in Ländern, in denen die Geschichtswissenschaften dem Zweck dienen, Schlüsse für die gegenwärtigen und künftigen politischen Entscheidungsprozesse zu ziehen. Timothy Snyder, ein weltbekannter US-amerikanischer Historiker, widmet diesem Thema einige seiner auf Youtube veröffentlichten Vorträge.

Bittere Worte über dem Umgang mit Geschichte in Russland finden sie auch im neulich erschienen Buch „Die Geschichte in mir“ vom ehemaligen deutschen Botschafter in Moskau Rüdiger von Fritsch.

 

Den gesamten Vortrag können Sie unten herunterladen.

Materialien

Die Lüge als Instrument der Machtpolitik​_Potsdam 23.08.2026
Die​_Lüge​_als​_Instrument​_der​_Machtpolitik​_Potsdam​_23082026.pdf 0.35MB
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